Abschied vom Katheder - innovative Lehrformate

2003-2020

Die Quellen:

Ein Beitrag zum Konzept CPD von Jun.-Prof. Dr. Michael Dick und Prof. Dr. Winfried Walther in den Zahnärztlichen Mitteilungen vom 16. August 2007

„Die Zahnmedizin in Deutschland verfügt über eine Fortbildungskultur, deren Vielfalt und Unabhängigkeit ihresgleichen sucht. Dennoch sollte der Berufsstand aufmerksam beobachten, welche neuen Anforderungen an Fortbildung gestellt werden, damit er für zukünftige Herausforderungen gewappnet ist. Gefragt ist Kompetenzerhaltung durch lebenslanges Lernen, der Weg dahin führt über die Methode des Continuing Professional Development (CPD).“

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Masterarbeit von Dr. Christoph Kaiser, M.A., zur Rolle des erfahrungsbasierten Wissens, 2006

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Video Parodontologie in der Praxis 2013

Der Kurs ist insgesamt so angelegt, dass er an drei Wochenenden stattfindet und über einen längeren Zeitraum verteilt ist. [...] Der Experte [...] ist dafür da die Wissenschaftlichkeit der Veranstaltung zu wahren und dafür zu sorgen, dass die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft mit in die Diskussion einfließen und letztlich dafür sorgen, dass jeder Teilnehmer für seine Praxis einen klinischen Pfad ausarbeiten kann, der wissenschaftlich basiert ist. (Dr. Andreas Bartols, M.A., Karlsruhe)

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CPD - Vom Erfüllungs- zum Optimierungsparadigma

von Dr. Anne Behle, M.A., Dr. Florian Troeger, M.A., Dr. Christoph Kaiser, M.A.

Erfolgreicher Start der PZQ-Kurse an der Akademie

Die Einführung der CPD-Kurse in der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe kann als ein wegweisender Meilenstein in der modernen praxisorientierten Fortbildung angesehen werden. Durch dieses innovative Fortbildungskonzept enstand ein elementarer Baustein der gelebten Qualitätsförderung in der zahnärztlichen Praxis.

CPD bedeutet: Continuing Professional Development und ist die kontinuierliche berufliche Entwicklung der eigenen zahnärztlichen Tätigkeit. Die Fortbildungsmaßnahmen dienen dem Erhalt und der dauerhaften Aktualisierung der fachlichen Kompetenz der Zahnärzteschaft. Die Geschichte und die gegenwärtige Bedeutung dieses Begriffes wurden von Winfried Walther und Michael Dick in einem Beitrag in den Zahnärztlichen Mitteilungen beschrieben. Quelle: ZM-Bericht

Hier wird darüber berichtet, aus welchen Bausteinen sich das Konzept des Continuing Professional Developments zusammensetztund mit welche Erfahrungen Kolleginnen und Kollegen mit diesem Fortbildungsformat sammeln.

In der Akademie ist CPD 2003 zunächst als Einzelkurs in der Parodontologie entwickelt worden. Der Kurs trug zunächst den Namen „Praxisforum Zahnärztliche Qualitätsförderung“ (PZQ) und wurde später nach dem international eingeführten Begriff CPD umbenannt. Die zunächst angebotenen Einzelkurse wurden im Laufe der Zeit in die Curricula Implantologie, Endodontie und Kinderzahnheilkunde integriert. Dadurch ist das CPD-Konzept ein fester Bestanteil des Programms des Akademieprogramms geworden. Das Ziel dieser Kurse ist, die Zahnärztin/den Zahnarzt systematisch bei der Verbesserung der eigenen Praxisroutinen zu unterstützen.

Dr. Anne Behle, M.A., ist die Arbeit in der Kleingruppe bestens bekannt: Hier im Masterstudiengang Integrated Dentistry an der Universität Magdeburg 2006 (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Eigenarbeit anstatt Frontalunterricht

Die Besonderheit dieses Kursformates ist, dass kein Frontalunterricht stattfindet, sondern die anwesenden Zahnärztinnen und Zahnärzte einen individuellen, auf ihre Praxisabläufe abgestimmten klinischen Pfad erstellen. Anders als in der klassischen Wissensvermittlung stehen ein Moderator und ein Experte hier den Fortbildungsteilnehmern zur Seite. Sie führen die Teilnehmer durch den Prozess, stehen mit ihrem fachlichen Wissen bei wissenschaftlichen Fragen zur Seite, nehmen aber darüber hinaus keinen Einfluss auf das Ergebnis. Der Erfahrungsschatz der teilnehmenden Praktiker wird somit zu einer wichtigen Erkenntnisquelle für die angestrebte Neuformulierung der Organisations-und Entscheidungswege in der eigenen Praxis.

Aufgrund des großen Anteils an Eigenverantwortung bei der Entwicklung des Pfades durch die Teilnehmer entsteht ein Lernergebnis, dass auf die eigene Praxis angewendet werden kann. Der Plan zur Umsetzung der angestrebten Routineänderungen ist Teil des Lernprozesses.
Es ist für die Teilnehmer sehr ungewohnt, dass kein Lehrvortrag stattfindet, sondern dass sie selbst, begleitet von Experten, das eigene Wissen in die Veranstaltung einbringen und eine Entscheidungs- und Handlungsstruktur für die Praxis entwickeln müssen.
Wissen wird erarbeitet, gesammelt bewertet, strukturiert und implementiert.

Werkzeuge werden zur Verfügung gestellt: Protokolle, Moderationshilfen, Präsentationen. Hausaufgaben machen die erarbeiteten Ergebnisse greifbar und anwendbar. Die neuen Routinen entstehen vor Ort in der eigenen Praxis unter Beteiligung des Praxisteams.

 

Ein emanzipatorischer Prozess

Im Kern ist die Entwicklung eines eigenständigen klinischen Pfades durch den Praktiker ein in hohem Maße emanzipatorischer Vorgang. Er bedient sich des Wissens des Experten und bemisst gleichzeitig die Umsetzbarkeit in Abgleich mit den anderen anwesenden Praktikern. Dadurch wird er vom unidirektionalen Empfänger von Informationen zum Gestalter von Handlung und Entscheidung.

Der praktisch tätige Zahnarzt entwickelt seine Behandlungsstrategie also nicht nur im Abgleich mit unter Idealbedingungen entstandenen wissenschaftlichen Informationen. Vielmehr setzt er eigenes Wissen und Erfahrungen ein und nutzt zusätzlich die Erfahrungen der teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen – seiner Peer-Group. Das Ergebnis ist eine wesentlich intensivere Umsetzung von neuen Erkenntnissen als bei traditionellen Vortragsveranstaltungen.

Das CPD-Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass wesentlich mehr Fortbildungsinhalte in die tägliche Routine implementiert  und fortan gelebt werden, wenn die dafür erforderlichen Entscheidungen nicht in einer Frontalveranstaltung gefordert werden, sondern durch angeregte und moderierte Diskussion erarbeitet werden. Die Lerngruppe, in der  jeder für sich schon Experte auf dem Bereich der Zahnmedizin ist, sucht nach Konsens, überlässt aber individuell zu treffende Entscheidungen dem Einzelnen. Offene Fragen können entweder im kollegialen Gespräch geklärt oder mit Hilfe des Experten gelöst werden. Durch dieses Aufbrechen tradierter Fortbildungstechniken entsteht ein Wissenstransfer, der praxis- und zielorientiert durch die Teilnehmer gesteuert werden kann.

Dr. Florian Troeger, M.A., ist seit Jahren als Moderator an der Seite von Prof. Dr. Edgar Schäfer eingespannt (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Moderator und Experte stehen im Hintergrund

Dr. Florian Troeger, M.A., moderiert seit vielen Jahren den CPD-Teil im Curriculum Endodontie. Auch für ihn hält die praktische Arbeit mit diesem  Konzept stets Überraschungen parat. Während bei Frontalveranstaltungen ein Referent fast auf die Minute genau seinen Zeitplan einhalten kann, ist die grundlegende Idee dieses Kurses, dass zwar ein Korridor vorgegeben wird, aber die benötigten Zeitintervalle in aller Regel in der Hand der Teilnehmer liegen damit auf die Bedürfnisse jeder individuellen Praxis eingegangen werden kann. So sind zeitnahe, zum Teil improvisierte Kurzpräsentationen durch den Experten ebenso selbstverständlich, wie die Bearbeitung von praxisindividuellen Problemen, die jedoch für alle Kursteilnehmer von Bedeutung sind.

Für Experten und Moderator erfordert dies höchste Aufmerksamkeit, um den „roten Faden“ in der Diskussion nicht zu verlieren, aber auch den interkollegialen Austausch zuzulassen und die Gruppe  nach kontroversen Diskussionen wieder zu einen. So kommt es durchaus  vor, dass vom Moderator oder Experten zeitintensiv vorbereitete Themen nicht präsentiert werden, da sie ohnehin Gruppenkonsens sind. Auf der anderen Seite können durchaus plötzlich Themen auftauchen, die eigentlich nicht vorgesehen waren. Dann müssen Moderator und Experte schon mal am Abend eine Sonderschicht einlegen um das Kurskonzept anzupassen oder eine zusätzliche Internetrecherche durchzuführen.

Das CPD-Konzept ist in einem Video festgehalten, in dem Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Kursleiter und Experte zu Wort kommen. „Geeignete Strukturen in der Praxis schaffen“ das ist im Urteil von Prof. Dr. Christof Dörfer das Hauptanliegen des neuen Fortbildungskonzeptes. Es ist der sicherste Weg, die Versorgungsqualität zu verbessern. Quelle: Video

Dr. Christoph Kaiser, M.A., im Jahr 2006 bei der Abschlussprüfung im Masterstudiengang Integrated Dentistry: In seiner Masterarbeit hat er sich intensiv dem kollegialen Austausch erfahrungsbasierten Wissens gewidmet. (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Dr. Christoph Kaiser, M.A., reflektiert die Teilnahme am Kurs

Dr. Christoph Kaiser, M.A. war vier Jahre lang zahnärztlicher Mitarbeiter an der Akademie und neun Jahre in der eigenen Praxis tätig, als er auf das  CPD-Konzept aufmerksam wurde. Es machte ihn neugierig: Weg vom Vortragskonzept, weg vom klassischen Workshop hin zum echten Austausch mit Kollegen und Experten.

Die Idee, das Konzept eines Behandlungspfades in der Praxis, in seinem Fall der PA-Therapie zu erstellen, hat ihn begeistert. Qualitätsförderung in der Medizin stellt eine gesellschaftliche Anforderung dar, der sich keiner entziehen kann. Das CPD-Konzept gibt jedem Teilnehmer die Möglichkeit, die Prozessqualität der eigenen Praxis zu sichern bzw, zu verbessern. Die Expertenschaft der im Kurs vertretenen Kolleginnen und Kollegen wurde dabei einbezogen. Das hierbei transparent gemachte „Anwenderwissen“ und der Abgleich mit dem „Forschungs- und Literaturwissen“ des Experten war der treibende Motor dieses Fortbildungskonzeptes. Der Austausch zwischen Praktiker und wissenschaftlichen Experten geschah dabei stets auf Augenhöhe unter Anerkennung der jeweiligen Expertenschaft. Dieser Prozess war nicht trivial und hat die Teilnehmer ziemlich gefordert. Ohne Hilfestellungen wie die Protokollführung, die Ist-Analyse der eigenen Praxis und Fortsetzung der Arbeit in der eigenen Praxis wäre der Prozess nicht möglich gewesen. Das Ergebnis aber ist beeindruckend: Der damals erarbeitete klinische Pfad zur PA-Therapie ist seit 18 Jahren in seinen Grundstrukturen immer noch in der Praxis von Dr. Kaiser etabliert.

Im Anschluß an den CPD-Kurs entschied sich Dr. Kaiser, de, Masterstudiengang „Integrated Dentistry“ zu absolvieren. Seine Masterarbeit befasste sich mit der Effizienz neuer Fortbildungsformate, u.a. dem CPD-Konzept. Als Titel wählte er: Die Rolle erfahrungsbasierten Wissens für die evidenzbasierte Zahnheilkunde – Evidenzgewinn in modernen Fortbildungskonzepten aus Sicht Beteiligter.“ Es handelt sich um eine qualitative Studie, für die Teilnehmer an neuen Fortbildungsformaten interviewt werden. Die Masterarbeit ist hier als Quelle eingefügt. Ab Seite 21 wird das Interview eines Teilnehmers an der CPD-Fortbildung dargestellt. Was der Interviewte besonders herausstellt: Das Ergebnis des Kurses verantwortet jeder selbst und man ist stolz darauf. Quelle: Masterarbeit

 

Weitere Informationen:

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