Abschied vom Katheder - innovative Lehrformate

2011-2020

Die Quellen:

Erste offene Sprechstunde Endodontie

„Videoübertragung der ersten Live-Demonstration einer endodontischen Revisionstherapie an der Akademie: Entfernung der alten Wurzelfüllmaterialien“

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Zweite offene Sprechstunde Endodontie

„Videoübertragung der Behandlungssitzung mit Abschluss der Therapie: Die laterale kalte Verdichtungstechnik zur Wurzelfüllung“

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Offene Sprechstunde Endodontie

von Dr. Andreas Bartols, M.A.

Die Geburtsstunde

Im Jahr 2010 wurde von Prof. Walther angeregt, klinische Demonstrationen durchzuführen, bei denen interessierte Kollegen die Möglichkeit haben dem Experten über die Schulter zu schauen. Dabei sollten Behandlungsmethoden der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung demonstriert werden, so, wie sie im klinischen Alltag in der Poliklinik angewendet werden.

Das grundlegende Prinzip beruhte auf dem bereits zuvor einführten Kolloquium mit Prof. Dr. Ulrich Tiber Egle. In diesem Fortbildungsformat am Abend wurden Behandlungsfälle von Prof. Egle aufgearbeitet, in denen die betreffenden Patientinnen und Patienten von chronischen Schmerzen berichteten, die trotz teilweise umfangreicher zahnärztlicher Interventionen nicht zu beherrschen waren. In der Regel handelte es sich um Patienten, die von Kollegen an die Akademie überwiesen wurden, weil weitere zahnärztliche Eingriffe absehbar nicht erfolgreich gewesen wären. Die Patienten wurden in diesem Fortbildungsformat von Prof. Egle klinisch, nicht öffentlich, in geschütztem Raum untersucht. Anschließend wurde der Fall sowohl von zahnärztlicher Seite, als auch von Prof. Egle von psychosomatischer Seite anonymisiert dem interessierten Fachpublikum vorgestellt und Lösungsvorschläge für die interdisziplinäre Versorgung erarbeitet.

Dieses Grundprinzip sollte nun erweitert werden um die Live-Demonstration eines Therapievorgangs. Da sich die endodontische Behandlung unter Anwendung des OP-Mikroskops gut eignet, um ein Live-Bild über die Mikroskopkamera zu übertragen, wurde beschlossen, die endodontische Therapie in den Fokus zu nehmen. Dabei wurde von Anfang an darauf geachtet, dass nicht nur das Fachpublikum in der Akademie Zugang erhält, sondern alle Übertragungen auch per Videoübertragung im Internet verfolgt werden konnten.

Der erste Behandlungsfall der Offenen Sprechstunde Endodontie: Ein symptomatischer Zahn 16 mit Wurzelfüllung und apikaler Parodontitis. (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Die erste Offene Sprechstunde Endodontie

Im Februar 2011 war es soweit: Die erste Live-Demonstration einer endodontischen Behandlung wurde durchgeführt. Von Anfang an war klar, dass in diesem Format die „heißen Eisen“ der Endodontie genauso wie die durchschnittlichen „Brot und Butter“-Endos angepackt werden würden. Der Einstieg war allerdings eher vom Typ „heißes Eisen“: die endodontische Revisionstherapie.

Damals zwar bereits ein etabliertes Verfahren, jedoch mit einigen technischen Schwierigkeiten behaftet. So wurden während der Demonstration mehrere Methoden der Entfernung von Guttapercha aus den Wurzelkanälen gezeigt, die von der Handinstrumentation über die 360°-rotierende maschinelle Präparation bis hin zum thermoplastischen Erweichen von Guttapercha reichten. In der zweiten Live-Demonstration wurde dann beim gleichen Behandlungsfall vier Wochen später die laterale kalte Verdichtung von Guttapercha als Wurzelfülltechnik demonstriert. In der Bildergalerie zum Beitrag finden sich die dazugehörigen Röntgenaufnahmen.

Live-Übertragung zur Herbstkonferenz 2016. Dr. Andreas Bartols, M.A., erklärt mit seinem Team bestehend aus Frau Notheisen und Frau Kilic die Arbeitssystematik des endodontischen Eingriffs. (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Fast zehn Jahre Live-Demonstrationen

Insgesamt wurden seit 2011 mehr als 25 öffentliche Demonstrationen endodontischer Therapie durchgeführt. Dabei wurde der Schwerpunkt sowohl auf neue Techniken und Instrumente, aber auch auf die effiziente Organisation des Eingriffs selbst gelegt. Deshalb spiegeln die jeweiligen Themen der offenen Sprechstunde den technologischen Fortschritt in der endodontischen Therapie der letzten 10 Jahre wider.

Ein bemerkenswerter Meilenstein war dabei die Einführung der sogenannten Ein-Feilen-Endodontie mit reziprok betriebenen Instrumenten seit der IDS 2011. Nach der Einführung dieser Systeme wurde im Jahr 2012 der Einsatz der Reziprok-Systeme unmittelbar in der nächsten Live-Demonstration gezeigt und der Effizienzvorteil der Instrumente herausgearbeitet. Beitrag Nachwuchsakademie

Aber auch verschiedene Neuerungen bei den Wurzelfülltechniken wie GuttaCore Materialien und moderne kalziumsilikatbasierte Sealer (eine Teilgruppe stellt das Mineraltrioxidaggregate dar) waren Inhalte der öffentlichen Demonstrationen. Fragmententfernung, künstliche Apexifikation mit Mineraltrioxidaggregate, die Revision bereits wurzelspitzenresezierter Zähne, Single-Visit-Primär- sowie Revisionstherapie – sie alle waren Inhalt der offenen Sprechstunde mit unterschiedlichem Schwerpunkt.

Ein vorläufiger Höhepunkt war die Demonstration des „optimal geplanten“ endodontischen Eingriffs per Live-Übertragung auf die Herbstkonferenz der Akademie in Baden-Baden im Jahr 2016. Verschiedene Quellen berichten von einer gewissen Unruhe im Publikum, da bis kurz vor Ende der Übertragung unklar erschien, wie der geplante Eingriff innerhalb der vorgegeben Zeit noch abgeschlossen werden könne. Die anschließende Kaffeepause konnte anderen Berichten zufolge pünktlich begonnen werden.

Impression aus der offenen Sprechstunde in der neuen Akademie (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Ein etabliertes Format

Mittlerweile ist die Offene Sprechstunde Endodontie als Fortbildungsformat aus der Akademie nicht mehr wegzudenken. Sie ist dazu gedacht, auf neue Techniken aufmerksam zu machen, den kollegialen Austausch zu befördern, aber auch den Experten ungefiltert befragen zu können.

Außerdem ergänzt sie mit immer wieder ganz speziellen Fragestellungen das endodontische Curriculum der Akademie indem sie transparent vermittelt, wie Behandlungstechniken konkret umgesetzt werden können, indem der Experte sich über die Schulter schauen lässt. Im entsprechenden Sinne ist die nächste Offene Sprechstunde Endodontie bereits als fester Bestandteil des Fortbildungsjahres geplant.

 

Weitere Informationen:

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