Abschied vom Katheder - innovative Lehrformate

2017-2020

Die Quellen:

Einladung zur Young Dentist Lounge am 13. Mai 2017

„Es geht um Ihre Erfahrungen, um Ihre Fragen, und ob und wie wir sie dabei unterstützen können. Ein wichtiges Thema ist auch, wie entwickle ich mich weiter, wie gestalte ich mein berufliches Leben? Es wird auf Sie ankommen, aber auch auf die Zahnärzteschaft als Ganzes.“

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Einladung zur 5. Young Dentist Lounge am 30. November 2019

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Young Dentist Lounge - im Gespräch mit Dr. Volker Bracher und Frau Spahmann

von Dr. Dr. Hans Ulrich Brauer, M.A.

Ein eingespieltes Team

Seit 2017 gibt es von Seiten der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe ein innovatives Projekt, das sich an zahnärztliche Berufsanfänger richtet. Es heißt die Young Dentist Lounge.
Was das genau ist, was die konkreten Ziele sind und was es kostet, darüber geben der Kreisvorsitzende der Bezirkszahnärztekammer für den Kreis Karlsruhe, Herr Dr. Volker Bracher und Frau Marie-Lena Spahmann von der Akademie Auskunft. Man merkt schnell, die beiden Interviewpartner sind ein eingespieltes Team und die Arbeit macht ihnen große Freude.

Der Karlsruher Kreisvorsitzende der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe Dr. Volker Bracher zu Besuch in der Zahnärztlichen Akademie. Beim Gespräch mit dabei ist auch Frau Spahmann (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Primäres Ziel ist Vernetzung

Dr. Volker Bracher: Als Kammerkreisvorsitzender war von mir die Grundintention zur Young Dentist Lounge, dass die ganz jungen Kollegen, die Ausbildungsassistenten, die jetzt frisch von der Uni kommen – die haben eigentlich niemanden an den sie sich vertrauensvoll wenden können – sich untereinander vernetzen. Die kommen und stehen erst mal alleine auf weiter Flur.
Ich habe mir gedacht, machen wir doch eine Veranstaltung, bei der wir die Leute zumindest teilweise zusammen bekommen. Für die Organisation war die Verwaltung der Kammer sehr hilfreich, weil die ja die Meldung bekommen, wer ist neues Mitglied, wer ist neu in unserem Bezirk. So kommen wir an die Adressen. Dann haben wir vor 3 Jahren die erste Young Dentist Lounge gemacht und hatten eine gute Resonanz.

Akademie: Das war dann 2017?

Dr. Volker Bracher: Ja, das war im Frühjahr 2017.

Akademie: Wie organisiert man so eine Veranstaltung?

Dr. Volker Bracher: Ich hatte mich zunächst mit der Kammer im Zahnärztehaus Mannheim kurzgeschlossen und habe von dort die Adressenliste bekommen. Das waren neue Ausbildungsassistenten und etwa 2 Jahre zurück.
Der nächste Schritt war, dass ich Professor Walther angesprochen habe, weil es war auch eine weitere Intention die jungen Kollegen an die Akademie heranzuführen. Professor Walther hat das gerne aufgenommen, so dass wir die Lokalität hatten und ich gleichzeitig von Seiten der Akademie einen Co-Moderator an meiner Seite hatte. Wir haben dann Themen rausgesucht, die für neue Kollegen interessant sind.

Akademie: Ist das eigentlich eine Abendveranstaltung?

Frau Marie-Lena Spahmann: Nein, das ist immer an einem Samstagvormittag, zweimal im Jahr.

Akademie: Und da gibt es dann Referate?

Dr. Volker Bracher: Ja, aber zuerst stellen sich die Kollegen gegenseitig vor. Jeder soll dann aus seiner bisherigen Praxis ein einschneidendes Erlebnis berichten, also aus seiner neuen zahnärztlichen Tätigkeit. Da waren so Dinge dabei, wie z.B. eine Kollegin, die hat ihren ersten Arbeitstag direkt im Wochenendnotdienst erlebt, also frisch von der Uni und musste dann an einem Tag mal so 30-40 Patienten behandeln. Das war schon harte Schule, solche Sachen eben. Dieses Erzählen dient dem Prozess, dass die jungen Kollegen sich auch untereinander vernetzen können bzw. erstmal einander bekannt werden. Also nicht nur wir als Kammer sollen bekannt werden, sondern auch die jungen Kollegen untereinander.

Akademie: Da ist dann auch immer jemand von der Akademie dabei? Leni, diese Aufgabe übernimmst Du momentan, richtig?

Frau Marie-Lena Spahmann: Ja, das war zuerst die Frau Dr. Anke Bräuning und dann die Frau Claudia Pfeil. Als ich an die Akademie kam, habe ich das übernommen. Außerhalb von den Kreisen hier an der Akademie, treffen wir uns auch auf dem Weihnachtsmarkt, zum Stammtisch ...

Dr. Volker Bracher: ... ja, zuerst gab es eine WhatsApp-Gruppe, und das hat schnell dazu geführt, dass wir uns auch außerhalb treffen: Spieleabende, Kneipenbesuch, Bowling, solche Sachen.

Die erste Young Dentist Lounge 2017 in der Bibliothek der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Ein geschützter Name

Akademie: Gibt es denn so ein Angebot auch von anderen Kammern?

Dr. Volker Bracher: Nein, nicht dass ich wüsste, aber es gab schon Anfragen von anderen Bereichen.

Akademie: Was für Anfragen?

Dr. Volker Bracher: Dürfen wir Euer Konzept übernehmen – zwischenzeitlich ist Young Dentist Lounge auch ein geschützter Name.

Gruppenfoto 2017 (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)
Frau Marie-Lena Spahmann von der Zahnärztlichen Akademie bei der Moderation (Quelle: Bildarchiv Akademie Karlsruhe)

Keine Scheu vor der Standespolitik

Akademie: Das Ziel ist ...

Dr. Volker Bracher: ... das nächste Ziel ist, dass die Scheu vor den Standespolitikern verloren geht. Wir haben das ja im ganzen Kreis gemacht, d.h. die Kammerkreisvorsitzenden sind eingeladen, also Vorstellung der Standespolitik verbunden mit dem nachrangigen Ziel das sich die Leute auch dafür in Zukunft einzusetzen. Das ist natürlich kein primäres Ziel. Eine andere Intention ist Sympathiewerbung für die Akademie, also sich für Fortbildung an der Akademie zu begeistern. Es ist ja immer auch ein Vertreter der Akademie da, der die Fallvorstellung macht.

Akademie: Was bedeutet das?

Frau Marie-Lena Spahmann: Die Fallvorstellung erfolgt nach dem Konzept der Akademie, also ein Ausfüllen des Therapieplanungsbogens von Professor Heners und Professor Walther für ein systematisches Planen. Ich habe es immer so gemacht, dass einmal eine „Kassenlösung“ überlegt wird und einmal eine High-end-Versorgung geplant wird. Wie könnte man den Fall entsprechend lösen, je nachdem was der Patient auch möchte. Modelle sind häufig vorhanden, Röntgenbilder und Befunde sind alle da.

Dr. Volker Bracher: Ja, es ist praktische Therapieplanung.

Frau Marie-Lena Spahmann: Was noch wichtig ist, dass die Stadt Karlsruhe was Zahnmedizin betrifft kein Unistandort ist und man kommt als junger Kollege zur Young Dentist Lounge und man lernt dann Zahnärzte kennen, die etwa gleich alt sind und den gleichen Wissensstand haben. Es ist ganz schön, dass man vernetzt ist unter den Kollegen, aber es ist auch schön, dass wenn man zu Veranstaltungen geht, beispielsweise auch zur Kreisversammlung, man immer jemanden trifft, den man von der Lounge her kennt. Da steht man nicht alleine da.

Akademie: Ist das mit der Teilnahme in der Young Dentist Lounge auch begrenzt?

Dr. Volker Bracher: Noch nicht, aber die Teilnehmerzahl steigt ständig. Der nächste logische Schritt ist – Frau Spahmann hatte die Idee – daraus später eventuell ein Curriculum zu entwickeln, vielleicht auch so etwas wie eine Mentorenschaft früherer Teilnehmer für ganz junge Teilnehmer zu entwickeln. Da steckt noch eine Menge Entwicklungspotenzial drin.

Was für mich wichtig ist, ich werde jetzt 60 Jahre dieses Jahr und irgendwann in den nächsten 8 Jahren werde ich dann vom Beruf irgendwann weg sein, da müssen die neuen Kollegen für ihre Generation anfangen, sich auch um dieses nachrangige Ziel kümmern, also um Standespolitik, d.h. sich später einmal einbringen in Kammer oder Kassenzahnärztlicher Vereinigung ist erwünscht. Der Vorsitzende auf Bezirksebene Dr. Norbert Engel, der Geschäftsführer David Richter war schon bei der Young Dentist Lounge – einfach damit die jungen Kollegen sehen, das sind alles Menschen, die kann man ansprechen. Kontakte zu den Institutionen Kammer, KZV, Akademie und untereinander, das ist wichtig. Auch unser Beruf macht nur dann Spaß, wenn man Kollegen und Ansprechpartner hat, gemeinsame Zielpunkte hat, nur dann funktioniert das. Alleine auf weiter Flur das ist nicht möglich.

Entscheidend sind die außerakademischen Kontakte

Akademie: Und was kostet die Teilnahme?

Dr. Volker Bracher: Das ist eine kostenlose Veranstaltung.

Akademie: Steht schon der nächste Termin fest?

Frau Marie-Lena Spahmann: Der Termin kann im Mai aufgrund der aktuellen Situation nicht stattfinden. Es ist jetzt erstmal verschoben.

Dr. Volker Bracher: Wichtig ist mir die menschliche Komponente. Ich komme aus einer Zahnarztfamilie. Ich hatte es da früher vielleicht einfacher. Es geht darum, den jungen Leuten den Einstieg zu erleichtern.

Akademie: Was sind der Standespolitik fachliche Themen?

Dr. Volker Bracher: Die Standespolitik ist nur eine Kurzvorstellung von Kammer und KZV. Als Ausbildungsassistent hat man ja noch wenig Bezug dazu. Neben den Fällen gibt es fachliche Referate. Beispiele hierfür sind, da hatten wir z.B. die Kinderbehandlung, den Schmerzpatienten, Röntgen, Endodontie und vieles mehr.
Der Grundaufbau der Veranstaltung ist dabei immer gleich: Vorstellungsrunde der Kollegen, Kurvorstellung von Kammer und KZV mit ihren institutionellen Aufgaben, der fachliche Vortrag und die Fallvorstellung. Die außerakademischen Kontakte sind natürlich darüber hinaus auch ganz wichtig.

Akademie: Vielen Dank, das ist wirklich ein interessantes Projekt!

 

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